Tipps für sichere Wandererlebnisse
Knapp die Hälfte der Schweizer*innen geben Wandern als Hobby an. Zu wissen, wie die Wanderferien optimal vorbereitet werden und worauf bei langen Märschen geachtet werden soll, hilft für ein ungetrübtes Wandervergnügen.
Die richtige Ausrüstung macht den Unterschied
Wer sich nicht als Stadtkind outen möchte, sollte auf jeden Fall auf das entsprechende Equipment achten. Sneakers, Flipflops und knappe Tops gehören nicht dazu. ;-) Wanderschuhe mit gutem Profil aus dem Fachhandel sind die Basis einer jeder Wanderung. Neue Schuhe auf jeden Fall zuerst ein paar Stunden zu Hause tragen, um allfällige Druckstellen frühzeitig zu erkennen. Für Blasen prädestinierte Stellen schon vor der Wanderung z.B. mit einer zinkhaltigen Crème einreiben, um wunde, nässende Hautstellen zu vermeiden.
Auch die Wahl der Socken ist wichtig. Diese sollten Schweiss aufsaugen und keine Falten bilden, damit keine Blasen entstehen. Sollte sich trotzdem eine Blase an den Füssen ankündigen, ist es essenziell, gerötete, nässende Hautstellen umgehend mit einem Trockenspray zu schützen. Weitere Infos zum Thema Blasen beim Wandern finden Sie hier.
Zwiebellook bei der Bekleidung ist gerade in den Bergen ideal. Wenn die Temperaturen am Morgen noch sehr kühl sind, empfehlen sich mehrere Schichten verschiedener Textilien zu tragen. So kann nacheinander die Softshell und der Pulli ausgezogen werden und auf dem zugigen Gipfel dann schnell wieder die winddichte Jacke montiert werden. Kleider mit Reissverschluss sind praktisch, weil bei Bedarf auch nur kurz gelüftet werden kann, ohne gleich alles abzulegen. Auch hier empfehlen sich atmungsaktive und feuchtigkeitsaufnehmende Materialien wie Merinowolle oder spezielle Funktionstextilien. Die Funktionskleidung, welche direkt mit dem Körper in Kontakt ist, sollte gut anliegen und atmungsaktiv sein, um Hautwolf zu vermeiden.
Der Gratis-Turnbeutel vom letzten Grümpelturnier ist zwar lässig, aber als Wanderrucksack ungeeignet. Atmungsaktives und leichtes Material mit hochwertig und stabil verarbeiteten Nähten und Reissverschlüssen ist angesagt. Ein Hüftgurt und möglichst rückenfreie Polsterung sind gerade auf längeren Wanderungen empfehlenswert. Zuhause soll der vollgepackte Rucksack auf jeden Fall mal eine Weile getestet werden. Der Wanderrucksack muss gut sitzen, damit die Trageriemen nicht «ribschen». Reibung kann schnell zu wunden, nässenden Hautstellen führen, die schmerzhaft und störend sind. Auch hier kann ein Trockenspray zur Unterstützung der Wundheilung angewendet werden.
Was gehört in den Wanderrucksack?
- Wasser
- Zwischenverpflegung wie getrocknete Früchte, Nüsse, Müesli-Riegel etc.
- Sonnenschutz (Brille, Crème, Cap)
- Wanderkarte, GPS-Gerät (Handy-Map nur wenn Empfang überall sichergestellt ist)
- Regenjacke
- Sackmesser (mit Pinzette)
- Feldstecher
- Ersatz-Wandersocken
- Taschenapotheke mit
- Verbandsmaterial, (Blasen-)Pflaster, Einmalhandschuhe
- Trockenspray bei kleinflächigen Wunden wie Verbrennungen, Schürfungen oder nässenden Hautstellen
- NACL Monodosen zum Ausspülen von Fremdkörpern aus Augen oder Wunden (Schmutz, Staub etc.)
- Persönliche Medikamente
Wanderroute studieren
Ebenfalls im Vorfeld sollte die Strecke genau geplant werden. Das Lesen von offiziellen Wanderbeschreibungen der örtlichen Tourismusbüros ist den individuellen Berichten von Einzelnen vorzuziehen. Die Karten vorher im Offlinemodus auf dem Handy speichern und die wichtigsten Wegpunkte notieren kann helfen, sich unterwegs zurechtzufinden, wenn die offizielle Wanderwegs-Markierung mal gerade nicht in Sichtweite ist. Eine ehrliche Selbsteinschätzung nützt allen Beteiligten, und es soll ja vor allem auch Spass machen.
Wenn der Hautwolf trotzdem kommt
Trotz hochwertiger Materialien kann es geschehen, dass sich in Hautfalten oder zwischen den Oberschenkeln gerötete, wunde Hautstellen entstehen. Hautwolf kann immer dann auftreten, wenn Haut auf Haut reibt oder Feuchtigkeit die Haut aufweicht und so anfälliger für Verletzungen macht. In diesem Fall kann ein Trockenspray helfen. Er nimmt Wundsekret auf und unterstützt die Wundheilung. Zudem bildet er einen Schutzfilm, um Infektionen vorzubeugen und unterstützt den natürlichen Selbstheilungsprozess des geschädigten Gewebes.
Los geht’s!
Nur bei stabilem Wetter losziehen, hilft nassen oder gar gefährlichen Überraschungen vorzubeugen. Anweisungen vor Ort befolgen und auf die Ratschläge von Einheimischen hören. Bei längeren Wanderungen macht es Sinn, sich bei jemandem ab- und anzumelden. Sollte unterwegs etwas schief gehen, wird man so vermisst und notfalls auch gesucht. Respekt gegenüber dem Umfeld und der Natur ist wichtig. Freundliches Verhalten und Abfall mitnehmen gehört einfach dazu.
Mama, wann sind wir da?
Wanderbegeisterte Eltern wissen, dass es unter Umständen schwierig ist, den Nachwuchs für das eigene Hobby zu gewinnen. Während man Erwachsene mit Gipfelsieg und Panoramaweitblick locken kann, verlieren Kinder mitunter nach ein paar Kehren schon die Lust auf die Wandertour. Damit die Wanderlust nicht zum Wanderfrust auf beiden Seiten wird, gilt es beim Wandern mit Kindern auf einiges zu achten.
Beim Planen der Tour ist es wichtig, dass die Leistungsfähigkeit des Kindes bekannt ist. Macht es regelmässig Sport, ist es an längere Fussmärsche gewohnt? Und wenn das Kind ausgerechnet am geplanten Tag der Wanderung ein Leistungs- bzw. Motivationstief hat, gilt es auch, auf dieses einzugehen. Die Tour sollte daher keinesfalls zu lange geplant werden, zwei bis drei Stunden reine Gehzeit genügen vollends. Ausserdem brauchen Kinder auch regelmässige Pausen. Ausreichend Getränke und Motivationssnacks dürfen natürlich auch in keiner Ausrüstung fehlen.
Damit Kinder die Freude am Wandern nicht verlieren, sollten sie sich auch spielerisch betätigen dürfen. Es sollte Zeit genug bleiben, einen Bach zu stauen, Pflanzen oder Tierspuren zu bestimmen, nach schönen Steinen zu suchen oder Kühe ausgiebig zu beobachten. Bei Weidetieren ist es wichtig, dass das Kind von Ihnen den richtigen Umgang lernt.
Sicherer Umgang mit Weidevieh
- Nicht füttern, nicht streicheln, genügend Abstand halten!
- Tiere nicht erschrecken
- Hunde unbedingt anleinen, vor allem, wenn Mutterkühe auf der Weide sind
- Wenn sich Tiere nähern: Ruhig bleiben, nicht rennen, ausweichen und nach Möglichkeit nicht den Rücken zukehren
- Über keine Zäune klettern, vorhandene Tore nutzen und immer gut schliessen
Vielleicht fällt Ihnen auch eine spannende Geschichte zu dem Wald ein, den Sie gerade durchqueren. Und sollte die Strecke gerade gar nichts Spannendes hergeben, können Sie sich mit Spielen wie "Ich seh, was du nicht siehst" oder "Ich packe einen Koffer und nehme.... mit" behelfen.
Und sollte dem Nachwuchs trotzdem die Geduld ausgehen, hilft oftmals die Aussicht auf die Leckereien, die auf der Berghütte dann serviert werden, damit die Motivation zurückkehrt. In Gesellschaft wandert es sich zudem leichter, ein einzelnes Kind wird sich in einer Gruppe Erwachsener auch deutlich schneller langweilen, als wenn es den besten Freund, die Cousine oder den Spielgefährten aus der Nachbarschaft mitnehmen darf.
Autorin: Doris Gapp
Quellen: vitagate.ch, Drogerie Sonderegger, Medinova
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